Abies alba var. calabrica

Kalabrische Weisstanne

Für Eilige

Der dänische Professor Dr. Bo Larsen bezeichnet diese Weisstannenherkunft als die Mutter aller Weisstannen. Sie genoss in den letzten 2,6 Mio. Jahren den Vorteil, dass sie während der letzten 11 (!) Eiszeiten keine weiten Wanderbewegung durchführen musste, weil sie stets in Kalabrien verbleiben konnte und dort einfach je nach Klima hangauf oder hangab wandern konnte.

Für Waldbesucher

  • Die Weisstanne ist in unseren Bergmischwäldern eine unverzichtbare, weil stabilisierende Mischbaumart, die vor allem auf felsigen Böden durch ihre Pfahlwurzel der Fichte im Wuchs überlegen ist.
  • Auch in Tieflagenwäldern kann sie in Zukunft zu einer wichtigen, weil klimastabilen Bauholzbaumart heranreifen, wenn überhöhte Rehwildbestände einreguliert werden.
  • Hierzu ein forstgeschichtlicher Rückblick in den bayerischen Frankenwald, der im nordöstlichen Bayern liegt. Pollenanalysen aus dortigen Mooren bestätigen, das um 1650 ein 80%iger Tannenanteil und ca. 10 % Fichte und Rotbuche wuchsen. 1830 ein 45%iger Tannenanteil und bereits 51% Fichte am Waldaufbau beteiligt waren 1873 wuchsen nur noch 3% Weisstannen und 88% Fichte.
  • Die Ursache dieser Fehlentwicklung waren überhöhte Rehwildbestände, die sich v.a. an den Tannensämlingen gütlich taten und die etwas stacheligeren Fichtensämlinge mieden. Durch Borkenkäferbefall ist aktuell das gesamte Fichtenvorkommen im Frankenwald bedroht, während die dortigen Weisstannen sich klimastabil verhalten.

Für Waldbesitzer

  • Die vor Ihnen stehende Tanne wurde im März 2025 gepflanzt.
  • In den kalabrischen Berggebieten ist sie von folgenden Begleitbaumarten umgeben: Rotbuche sowie italienischer Ahorn (Acer opalus).
  • Die Niederschläge bewegen sich von 500 bis 2.500 mm mit einem deutlichen Minimum in den Sommermonaten.
  • Die Frosthärte ist aufgrund des Gebirgslagenvorkommens von 1.000 bis 1.700 m Seehöhe sehr gut und wird mit Extremtemperaturen von minus 35 Grad Celsius fertig.
  • Die Bodenansprüche sind breit gefächert und reichen von Urgesteinsböden aus Granit und Gneis bis zu Kalkverwitterungsböden. Auch schwere Pseudogleye und Tonböden werden erfolgreich durchwurzelt.
  • Die Tannenstreu ist im Gegensatz zur Fichtenstreu leicht zersetzbar und beugt so Bodenversauerung vor.
  • Die Naturverjüngungsfähigkeit kommt am besten im Halbschatten unter Schirm zustande.
  • Die Höhenwuchsgrenze liegt bei beeindruckenden 50 m, wozu allerdings 250 Jahre Wuchszeit benötigt werden.
  • Die immer wieder vorkommenden Vulkanausbrüche des Vesuvs führten dazu, dass die kalabrische Form der Weisstanne das sich über den italienischen Stiefel erstreckende Aschenband nicht überwinden konnte, weil die Tannen eine gewisse Schwefelempfindlichkeit aufweisen.
  • Die größere genetische Breite dieser Tanne zeigt sich beispielsweise an der Anzahl der Nadeljahrgänge: Unsere heimische Weisstanne weist 8 bis 12 Nadeljahrgänge auf, während die Kalabrische Form der Weisstanne bis zu 25 Nadeljahrgänge aufweist. Die dänischen Versuchsanordnungen belegen ein auseinanderdriften der Holzzuwächse von europäischer und kalabrischer Weisstanne etwa ab einem Alter von 30 Jahren.
  • Bo Larsen formulierte im Auftrag der italienischen Staatsregierung eine Bewerbung der kalabrischen Monte Gariglionewälder als "UNESCO-Welt-Naturerbe". Nach neuesten Forschungen sind die dortigen Bergmischwälder aus Rotbuche und Weisstanne ein seit 2,6 Millionen Jahren unveränderter Genpool, der sich trotz vieler Eiszeiten unverändert erhalten hat.
  • Unsere heimischen Weisstannen mussten während der letzten 11 Eiszeiten immer wieder die Alpen umwandern, um einigermaßen gesichert in den pontischen Sümpfen zwischen Rom und Neapel die Kaltzeiten zu überdauern.
  • Durch diese extremen Wanderbewegungen verloren sie Teile ihrer Vitalität, was sich beispielsweise am Verlust des Johanni-Triebes den bereits geschilderten Verlust an Nadeljahrgängen ablesen lässt.
  • Probeanbauten existieren in den Gemeinden Bergtheim, Eisenheim, Hausen, Kürnach, Prosselsheim, Rottendorf, Unterpleichfeld.

Kalabrische Weisstanne.