Quercus robur

Stieleiche

Für Eilige

Die Eiche ist in unseren warmen Weinbaugegenden eine der wichtigsten und weitgehend stabilen Baumarten und bildet aktuell ein wesentliches Rückgrat vieler kommunaler und privater Waldflächen in Nordbayern.

Für Waldbesucher

  • Die Eiche ist eine Baumart des Menschen – ihre Häufigkeit verdankt sie den bäuerlichen Bedürfnissen nach resistenten Hölzern für den Stallbau (Viehzucht), den Hausbau (Fachwerk) und die Ernährung von Vieh und Mensch.
  • Die Eichen waren die heiligen Bäume unserer keltischen Vorfahren. Sie prägten nachfolgenden Spruch zum Wachstum ihrer Eichen in den heiligen Hainen, die nichts anderes waren, als die Saatgutzentren der alteuropäischen Bevölkerung:
    500 Jahre wachsen,
    500 Jahre stehen und
    500 Jahre vergehen.
  • Dies zeigt eindrucksvoll, dass das Anpflanzen von Eichen eine Angelegenheit ist, die weit über unser persönliches Leben hinaus führt.

Für Waldbesitzer

  • Diese hiesige Anpflanzung erfolgte im Frühling 2021 mit 4-jährigen verschulten Heistern (2+2; 120 bis 150 cm).
  • Ihr Blatt ist kurzgestielt mit 2-lappigem, herzförmigem Blattgrund.
  • Die Frucht ist mit Längsstreifen versehen und langgestielt (Name!).
  • Die Eiche ist eine wertvolle Baumart der Tieflagenwälder, wenn die Rotbuche (Fagus sylvatica) bei geringerer Bodengüte (z.B. auf Sandböden) im Wuchs nachlässt. Ihren besten Wuchs erreicht sie in flußbegleitenden Auwäldern, wo sie 40 (bis 50) m Höhe erreichen kann.
  • Bei Anbauten (Naturverjüngung bzw. Pflanzung) muss darauf geachtet werden, dass sie gruppenweise (mit mindestens 30 m Durchmesser) im Reinbestand angebaut wird, da sie ansonsten von wuchskräftigeren Begleitbaumarten (z.B. Ahorn, Hainbuche, Kirsche, Rotbuche,) von der Seite herüberwachsen wird.
  • In der Jugend erträgt sie ein mäßiges Überwachsen werden durch Birke (Betula pendula) – maximal 1 (bis 2) m – hier tritt ein sogenannter "Wuchsbeschleunigungseffekt" ein, der sich günstig für das Wachstum der Eiche auswirkt.
  • Russische Anbauversuche in der Ukraine schildern weitere Beschleunigungseffekte: Die Begleitbaumart Hainbuche (Carpinus betulus) beschleunigt die Eiche um 10%. Die Linden (Tilia cordata/T.platyphyllos/T.tomentosa) beschleunigen um 20%. Das Pfaffenhütchen (Euonymus europea) beschleunigt um 30%. Slavonische Balkanherkünfte sind noch wuchskräftiger, als mitteleuropäische.
  • Die Eiche benötigt in der Kulturphase (1 bis 5-jährig) alle 2 bis 3 Jahre eine begleitende Pflege, bei der rasch wüchsige Begleitbaumarten heraus geschnitten werden (z.B. mit einem schwedischen Ziehmesser, das besonders bodennahe Schnitte durchführt.
  • In der Jungwaldpflegephase (5 bis 15-jährig) benötigt sie alle 3 bis 5 Jahre einen Pflegedurchgang, der raschwüchsige Begleitbaumarten einreguliert (Heppendurchgang).
  • Bei der Stangenholzphase (Jungdurchforstung; 20 bis 40-jährig) sollten sie spätestens alle 5 bis 7 Jahre einen Durchforstungseingriff durchführen, um besonders wuchskräftige Exemplare zu fördern, bis das Höhenwachstum abgeschlossen ist (Motorsäge).
  • In der Altdurchforstungsphase (50 bis 120-jährig) geht es um die seitliche Ausbreitung der Baumkronen, die zuwachskräftige Bestandsglieder immer weiter fördert. Hier sollte einmal im Jahrzehnt eingegriffen werden..
  • Je nach Bodengüte dauert es 120, 180 oder bis zu 240 Jahren, um einen 40 bis 60 cm starken Eichenstamm zu erreichen. Die wertvollsten Eichen sehen sie auf sog. Wertholzlagerplätzen liegen. Es ist keine Seltenheit, wenn dort sogar 80 bis 100 cm dicke Alteichen zum Verkauf angeboten werden. Eine kontinuierliche Pflegearbeit von vielen Generationen an Waldbesitzern sind notwendig, bis solch erntereife Eichenstämme erreicht werden können.

Anekdoten

Die Eichen werden seit der Zeit der alten Griechen und Römer den Planetenkräften des Mars zugeordnet. Marskraft heißt, sich in Treue und Beharrlichkeit einer Aufgabe zu stellen, obwohl sich schier unlösbare Aufgaben auftürmen.

Dem Planeten Mars werden beispielsweise Impulskräfte und Reservekräfte zugeschrieben:

Die Reservekräfte der Eiche sind am deutlichsten im Austriebverhalten des Frühlings zu beobachten. Kaum öffnen sich die Knospenschuppen ein wenig, so können bereits winzige frühfressende Schmetterlingsraupen (z.B. Frostspanner) ins Innere der Knospe hinein schlüpfen und so die Blatt- und Blüten- und Samenanlagen verspeisen. Dies kann dazu führen, dass die Eiche den ganzen Mai über kahl den mit Vogelgesang überbordenden Frühlingswald erlebt. Ende Mai kommt dann ein verfrühter Johannistrieb, der eine neue Blattgeneration hervorbringt.

Auch dieser zweite Blattaustrieb kann von sogenannten spätfressenden Schmetterlingsraupen (z.B. Schwammspinner) komplett verspeist werden. Nun steht die Eiche im Juni/Juli kahl da, was schon ein unheimliches Empfinden auslösen kann.

Ende Juli kommt dann der dritte Belaubungsschub, der jedoch auch wieder umsonst sein kann, wenn günstige Witterung die massenhafte Vermehrung des Mehltaupilzes begünstigt. Die Pilzhyphen lähmen die blattunterseitigen Spaltöffnungen, und bevor die Eiche sich zu stark in der Verdunstung verströmen würde, lässt sie auch diese dritte Blattgeneration lieber abwelken und wartet noch ein bischen.

Im August kann sie dann noch ein viertes Mal austreiben – ein Wunder an Beständigkeit! Nun hat sie noch den September und Oktober Zeit, um genügend Reservestoffe zu bilden, um im kommenden Frühling wieder ein neues Austriebsspektakel zu wagen.

Die Impulskräfte der Eichen sind beim herbstlichen Herabfallen der Eichelfrüchte zu beobachten: Schädlingsbefallene Eicheln fallen bereits im September herab, während im Oktober die gesunden und keimfähigen Exemplare herabregnen. Ab November platzen die Früchte auf und zwei mandelförmige Reservekörper bilden gemeinsam einen sich verbindenden Wurzelspross, der sich sofort den Weg senkrecht in die Tiefe sucht. Zuerst durch die bodennahe Luft, dann in die Laub-, Gras-, Moos- und Humusschicht hinein in den Mineralboden. Ein monatelanges Wurzelsprosswachstum kann nun beobachtet werden: Von November, Dezember, Januar, Februar, März, April, Mai und Juni dauert es (bis zu acht Monate!), bis ein zweiter Spross sich aus den gemeinsamen Mandelförmigen Keimblättern (Reservekörpern) bildet, der diesmal senkrecht in die Höhe strebt. Dieser Terminaltrieb bleibt meist bei 10 cm Höhenwachstum stehen und bildet zwei kleine Blättchen – einen kleinen Blattpropeller. Bei günstiger sommerlicher Wasserversorgung kann ein weiteres Blattpaar mit weiterem geringen Höhenwuchs dazu kommen. Die Wurzelentwicklung ist dann gewichtsmäßig um das 100-fache im Vergleich zum Gewicht der Eichelfrucht angewachsen. Dies kann ein schönes Sinnbild für uns Menschen sein: Die junge Eiche kümmert sich vorwiegend um ihre Verwurzelung und strebt kaum nach auffallendem Wachstum. Auch wir Menschen sind nur so gut aufgestellt, wie unsere Verwurzelung in unseren Tiefen und im Familien- und Freundeskreis ist.

Stieleiche.