Die Linde bildet mit ihren abgeleiteten Wörtern: "gelinde", "lind" einen wesentlichen Hinweis auf soziale Zusammenhänge im menschlichen Miteinander – sie dürfte eine unserer bekanntesten Baumarten sein.
Für Waldbesucher
Das Blatt der Linde hat die Form eines Herzens und ist so als der Baum der Liebe bekannt. Auch die Verzweigungsform ihrer Krone bildet eine Herzform.
Sie blüht um den Sommeranfang herum und ihr bekannter Duft streift dann weit umher – dann ist sie ein sommerliches Insektenparadies – nun weiß man, es ist Johannizeit. Die getrockneten Blüten sind ein bekanntes Volksheilmittel gegen herbstliche und winterliche Erkältungsschübe. Der heiß getrunkene Tee führt zum Schwitzen und zu einer Erhöhung unserer Körpertemperatur, was sich gesundheitsförderlich auswirkt.
Die Linde ist ein bekannter Baum auf unseren landwirtschaftlichen Höfen, Marktplätzen und Friedhöfen, ein kommunikativer Mittelpunkt unseres Gemeinwesens. In freier Landschaft waren auch Gerichtslinden vertreten, unter denen das Recht gesprochen wurde. Das Wort „subtil“ stammt aus der damaligen Rechtsprechung: "sub tilia" = unter der Linde.
Für Waldbesitzer
Die Anpflanzung erfolgte 2015 mit einem zweijährigen verschulten Sämling.
Diese weitaus häufigste unserer Lindenarten ist mit den Eichenwäldern vergesellschaftet. Bei Erstaufforstungen in der Ukraine erforschten russische Forstleute, dass die Beimischung von Linde bei den Eichen eine bis zu 20 %ige Zuwachssteigerung auslöst. Die Linde ist eine der bodenpfleglichsten Baumarten und schafft insbesondere beim schwer verrottbaren Eichenlaub eine spürbare Entlastung und verbessert die Humusform entscheidend.
Die Winterlinde ist eine wichtige Beimischung zu vielen anderen Hauptbaumarten, wie Eichen-, Ahorn-, Eschen- und Kirschenbeständen. Sie fördert im Unter- und Zwischenstand die natürliche Astreinigung der zu pflegenden Hauptbaumarten. Als Baumart erster Klasse (bis 40 m Höhe) strebt sie jedoch immer danach, das Kronendach zu durchbrechen, um selbst den vollen Lichtgenuss des oberen Kronendaches einzunehmen. Hier setzt der pflegliche und lenkende Einsatz des Waldbesitzes an, der durch regelmäßige Rückschnitte (Durchforstung) für Ordnung sorgen muss.
Das Holz der Linden ist weich und langfaserig und war früher als Schnitzholz sehr begehrt. Ebenso wurden viele Teile der Webstühle aus ihr gefertigt. Außerdem war sie als Blindholz in den Schubladen der Möbel und als leichtes Rückseitenholz von Schränken laufend im Gebrauch. In der Steinzeit waren die Bekleidungsstücke unserer Vorfahren aus dem langfaserigen Lindenbast, einem Teil der Rinde gefertigt. Auch Seile wurden daraus geflochten.
Anekdoten
In allen europäischen Kulturen war die Linde das Sinnbild und der Charakterbaum der jeweiligen Liebesgöttin (Aphrodite, Venus, Freya)
Bei unseren Vorfahren hat sich die sog. "Thinglinde" als Begegnungsort entwickelt, die den unmittelbar spürbaren Kräften der Förderung menschlicher Begegnungen und Versammlungen entsprach.
Der aufrechte Wuchs – verbunden mit den allseitig nach außen strebenden Verzweigungsachsen und der herzförmigen Krone – ließ die Gestaltungskräfte der Liebe förmlich ansichtig werden.